Buchwert Regionaltreffen Nord am 17. November 2024 bei der Verlagsgruppe Oetinger in Hamburg
Bock aufs Lesen!
Unter diesem Motto lud Buchwert am 17. November zum traditionellen Regionaltreffen nach
Hamburg ein – dieses Mal bei der Verlagsgruppe Oetinger. „Wir freuen uns, gemeinsam mit Oetinger
unseren Partnerbuchhandlungen neue Impulse zum Thema Leseförderung mitzugeben“, begrüßten
Birgit Stegner-Arez und Ingrid Winter, Regionalbetreuerinnen der Verbundgruppe, die Gäste. Ein
Thema, das Oetinger naturgemäß seit jeher ein Herzensanliegen ist. Und das hohe Relevanz besitzt,
denn inzwischen kann nur noch jedes 4. Kind am Ende der Grundschule sinnentnehmend lesen. Mit
teils erheblichen Konsequenzen für den späteren Bildungsweg. Und auch für uns als Buchbranche,
sind die lesebegeisterten Kinder von heute doch die Buchkäuferinnen und Buchkäufer von morgen.
Anlass genug, mit den über 30 anwesenden Buchhändler*innen in die Diskussion zu gehen.
„Wie können wir heute Geschichten erzählen?“ Eine Antwort darauf gab Thilo Schmid,
Geschäftsführer Vertrieb und Marketing. Die Verlagsgruppe Oetinger hat sich in den letzten Jahren
neu erfunden, sowohl räumlich als auch in der Produktpalette. Bücher werden noch stärker als bisher
an der Zielgruppe ausgerichtet und um moderne Medien ergänzt. Was lesen Kinder heute? An
welchen Themen sind sie interessiert? Wie müssen Cover und Inhalte gestaltet sein, um Anreize zu
setzen, auch bei denen, die erst an das Buch herangeführt werden müssen? Herausgekommen ist
dabei u.a. die neue bildreiche Reihe SPLASH. Moderne Lese- und Sehgewohnheiten werden hier mit
spannenden, humorvollen und actionreichen Geschichten kombiniert. „Unser Ziel ist es, die Kinder
bei ihren Bedürfnissen abzuholen und Hemmschwellen abzusenken“ führt Alexandra Fürtauer,
Vertriebs – und Verkaufsleiterin aus. Dazu gehört auch, Produkte gemeinsam mit jungen Familien zu
entwickeln – und sich nicht nur auf Marktstudien zu verlassen. Raus aus dem Elfenbeinturm, ran an
die Zielgruppe. Das Oetinger User LAB, eine digitale und analoge Online-Plattform, die
Meinungsbilder einholt und in die sich jetzt auch Buchhändler*innen einbringen können, setzt hier
neue Maßstäbe.
Welche Möglichkeiten der Buchhandel hat, die Freude am Lesen zu wecken und junge Kund*innen
an das Unternehmen zu binden, wurde ausführlich während einer von Birgit Stegner-Arez
moderierten Podiumsdiskussion debattiert. „Leseförderung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
und kann nicht nur durch ehrenamtliches Engagement, Kinder- und Jugendbuchautor*innen,
Buchhandlungen und einige wenige Kinderbuchverlage geleistet werden. Die Politik ist gefordert,
deutlich mehr Mittel bereit zu stellen und sich diesem Zukunftsthema intensiv zu widmen“ betont
Julia Bielenberg, Verlegerin und CEO der Verlagsgruppe. Ohne Lesekompetenz und Textverständnis
ist kein schulischer Erfolg möglich, mangelnde Bildung hemmt die Entwicklung des Kindes und
verhindert die Möglichkeit, sich auszudrücken und kritisch mit der komplexen Welt auseinander zu
setzen. So sieht das auch Pia Löber-Wille, die als Lese- und Literaturpädagogin in Kindergärten und
Schulen vermittelt, was es braucht, um schon die ganz Kleinen neugierig auf Geschichten zu machen
und sie spielerisch ans Lesen heranzuführen. „Es wird nicht nur zu wenig vorgelesen, sondern
insgesamt zu wenig gesprochen“ ist ihre Erfahrung. Die Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen ist
enorm wichtig, das betont auch Tanja Eger, Sprecherin der IG Leseförderung und treibende Kraft für
Lesemotivation in der Buchhandlung Eulennest in Baden-Baden. Wie für Buchhandlungen diese
Zusammenarbeit gewinnbringend sein kann, zeigen kreative Ideen wie Schaufensterwettbewerbe,
Mitmach-Lesungen und Motto-Abende. Auch die Lesetüte ist ein Erfolgsmodell. „Denken Sie in
Kooperationen, suchen Sie sich Förderpartner“ empfiehlt die Buchhändlerin. Das hat auch Joachim
Becker, Mitbegründer des Vereins Leseförderung Ahrensburg e.V. und Inhaber der Buchhandlung
Stojan für sich entdeckt und so ein zehntägiges Kinderbuchfestival aus der Taufe gehoben. „Ohne
Sponsoren und Ehrenamtliche hätte der Verein das nie geschafft“, so sein Resümee. Der Lohn für die
Mühen: immer mehr junge Familien kaufen ihre Bücher bei Stojan, der Umsatzzuwachs im
Kinderbuch ist zweistellig.
„Vielen Dank für die vielen Infos und die tollen Inspirationen. Ich gehe motiviert in die Buchhandlung
zurück“ kommentiert Annette Quest von der Buchhandlung Christiansen in Hamburg den Austausch.
„Klasse, dass unsere Partnerbuchhandlungen so viele Anregungen von der Veranstaltung mitnehmen
können“ freuen sich Birgit Stegner-Arez und Ingrid Winter über das positive Feedback. Nils Müller
von Kropper Buch ergänzt: „Wie immer super organisiert, super moderiert, super Thema – Buchwert
eben“.
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